Finanzielle Sorglosigkeit: Check

In Finanzbloggerkreisen ist oft von dem Ziel der Finanziellen Freiheit die Rede. Man möchte unabhängig von seiner Arbeitskraft sein. Stattdessen setzt man auf andere Einnahmequellen wie Mieteinnahmen, Buchverkäufe oder Dividenden. Ein Ziel, mit dem ich mich nach wie vor nicht sonderlich identifizieren kann. Stattdessen hatte ich das Ziel der finanziellen Sorglosigkeit und ein Nicht-Ziel:

Ich will keine Existenzängste mehr haben.

Da ich mich nun seit 1-2 Jahren kaum noch mit Finanzen beschäftige, schließe ich daraus, dass ich meine finanziellen Ziele wohl (erst mal?) erreicht habe.

Woran mache ich meine finanzielle Sorglosigkeit fest?

Es gab die letzten Jahre ein paar Situationen in meinem Leben, wo ich Entscheidungen ohne Rücksicht auf meine finanzielle Situation treffen konnte.

Ich habe auf Einnahmen verzichtet:

  • 35h statt 50h arbeiten (ich habe früher viele Überstunden gemacht)

Ich habe meine Ausgaben erhöht:

  • Bio-Lebensmittel
  • Nahrungsergänzung
  • Weiterbildung (Bücher, Fernstudium etc)
  • private Untersuchungen
  • rund 2.000€ für eine Hormon-Spezialistin
  • neue Möbel
  • ab und zu mal ein Auto mieten

Ausreichender Notgroschen für Notfälle:

  • ich könnte mir jederzeit ein Auto kaufen
  • ich habe eine größere Geldsumme verliehen als es einen Notfall in der Familie gab
  • über sowas wie eine kaputte Waschmaschine mache ich mir schon lang keine Sorgen mehr
  • keine Angst vor Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit (zumindest nicht bzgl. der Einnahmen)

Ich führe nicht mal mehr ein Haushaltsbuch.

Mehr Zeit für wichtigere Themen

Geld ist so lange ein wichtiges Thema, bis man „genug“ hat. Ich habe Erspartes, ich habe ein Depot, ich habe die wichtigsten Versicherungen, ich habe ein geregeltes Einkommen. Während ich mich früher sehr viel mit Finanzen beschäftigt habe, kann ich vieles ruhiger angehen lassen und mich um andere Themen kümmern.

  • Gesundheit (Lebensgewohnheiten anpassen)
  • Job (habe dieses Jahr die Branche gewechselt)
  • damit einhergehend: Weiterbildung durch mein Informatik-Fernstudium
  • Wohnraum gestalten (Ausmisten, neue Möbel, Alltagshelfer etc)

Schon letztes Jahr habe ich darüber berichtet, dass ich nun immer mehr meine Komfortzone verlasse und vieles ausprobiere. Ich gehöre wohl auch zu den wenigen, für die Corona-Einschränkungen nicht sonderlich schlimm waren, weil ich keine Langeweile kenne.

Wann muss ich mich wieder mehr um meine Finanzen kümmern?

Da ich nicht finanziell frei bin, kann meine finanzielle Grundlage nach wie vor wackeln. Ein wegfallendes Einkommen, wäre zwar erst mal kein Beinbruch, aber auch kein Dauerzustand. Auch als mein Depot 30% durch Corona verloren hat, war ich das Gegenteil von entspannt. Die explodierenden Miet- und Immobilienpreise würden uns hart treffen, falls wir aus unserer gut gelegenen Mietwohnung raus müssten. Aber falls solche Fälle eintreten, habe ich genug Zeit, dafür Lösungen zu finden.

Zufriedenheit ist Einstellungssache

Ich erlebe oft in meinem Umkreis, dass Leute unzufrieden sind und nicht wissen, wieso. Das ist für mich immer schwer nachzuvollziehen, weil ich hingegen überall etwas Positives sehe. Wenn es mir mal schlecht geht, setze ich mich auf eine Parkbank und konzentriere mich nur auf den Moment. Oder ich schaue in den Himmel und konzentriere mich auf meine Atmung. Wenn ich einen Sonnenuntergang sehe, kommen mir jegliche Probleme nichtig vor.

Das soll nun keine Aufmunterung sein, das Leben auf einer Parkbank zu verbringen. Ich denke eher, dass man mit dem Glücklichsein sofort anfangen kann und dafür nicht erst ein bestimmtes (finanzielles) Ziel erreichen muss.

Seid ihr (finanziell) sorglos und woran habt ihr das gemerkt?

34 Gedanken zu „Finanzielle Sorglosigkeit: Check

  1. Ich finde dein Ziel der finanziellen Sorglosigkeit sehr inspirierend. Mit Finanzieller Freiheit konnte ich mich selber nie identifizieren, dass liegt vor allem daran, dass viele diese „Freiheit“ durch einen herben Einschnitt im Konsum erreichen wollen und ihren Lebensstandart runterfahren um vermeintlich „frei“ zu sein. Leider kann ich den Status der Sorglosigkeit für mich noch nicht verbuchen. Kein festes Einkommen, Student, Existenzängste😅

    Liken

    • Hey Kevin,
      ja, mir geht es beim Konsum ähnlich. Einerseits finde ich es toll, wenn Leute z.B. von ihren gebrauchten Schnäppchen inspirieren und nicht viel zum Leben brauchen. Im Studium war mein Kriterium z.B. so billig wie möglich 😀 Meine ganze Einrichtung hat rund 1.000€ gekostet. Bett, Schränke, Esstisch, Sessel, Kühlschrank.. Keine Holzart passte irgendwie zusammen 😀 Ich hatte leider auch Existenzängste. 😦 Hätte meinem AG Geld zurückzahlen müssen, wenn ich das Studium nicht bestanden hätte.. War nicht schön, aber die 3 schlimmen Jahre waren ein „fairer“ Tausch, dafür dass ich dann danach einen guten Job hatte.
      Ich wünsche dir alles Gute, dass du dein Studium gut überstehst und dann in ruhiges Fahrwasser kommst.

      Liken

  2. Hi Jenny,

    mir geht es ähnlich, große Ängste vor einer temporären Arbeitslosigkeit oder plötzlichen Kosten habe ich seit einer Weile nicht mehr und vor Corona hatte ich auch angefangen, mehr Geld für Theater, Musicals und Tagesausflüge auszugeben – Möbel sind mir hingegen komplett egal (auf die Idee, passende Holzmuster zu suchen würde ich nichtmal kommen^^) und auch bei der Nahrung komme ich mit den Eigenmarken der Supermärkte und Restaurant-Mittagsangeboten ganz gut aus.

    Prinzipiell möchte ich aber schon (irgendwann) ganz gerne finanziell frei werden, um im Falle einer Arbeitslosigkeit auch nach Monaten noch keine Aktien verkaufen zu müssen und ganz entspannt was neues suchen zu können (oder eben auch nicht, falls mir nicht danach sein sollte). Für die Dinge, die mir persönlich wichtig sind, werde ich aber trotzdem Geld ausgeben, wenn es mein Wohlbefinden steigert 😉

    Langeweile kenne ich glücklicherweise auch nicht, während Corona hatte ich ebenfalls immernoch mehr ausübbare Hobbies als verfügbare Zeit.

    Viele Grüße aus dem Norden,
    luttz

    Liken

    • Hi Lutz,

      da ticken wir sehr ähnlich. Habe auch mehr Hobbys als Zeit.. „Irgendwann mal Finanziell Frei“ ist zwar kein Hauptziel, aber hab ich auch nichts gegen, falls das am Ende rauskommt. Bei dem Satz „auf die Idee, passende Holzmuster zu suchen würde ich nichtmal kommen^^“ musste ich sehr lachen 😀 Ich witzel oft darüber, dass ich mittlerweile alle Holzarten vertreten habe, sodass jedes neue Möbelstück automatisch zu irgendeinem anderen passt.

      Ich hoffe, dass du bald wieder ins Theater kannst! (Oder geht das bereits wieder?)

      Liken

      • Nein, leider bislang nicht: 4 Theaterstücke, für die ich Karten hatte, wurden abgesagt und es ist bisher unklar, ob es Nachholveranstaltungen oder Gutscheine geben wird, für 2 weitere im Juli habe ich bisher wenig Hoffnung und ein Konzert ist auf September verschoben worden – allerdings soll es dann in der Barclaycard-Arena stattfinden, deren schiere Größe das nicht unbedingt wahrscheinlicher macht.

        Bislang habe ich noch gar nichts dazu gelesen, ob und wann die Hamburger Theater wieder öffnen – bei den meisten sieht es so aus dass das nicht vor September der Fall sein wird, und auch das dürfte eher fraglich sein…

        Liken

      • Hey Lutz,
        dann drücke ich die Daumen.. Wenn man jedoch größere Hallen hat und im Freien ist, kann man die Besucher hoffentlich besser verteilen. Ich habe auch Sorgen, dass viele kulturelle Einrichtungen nicht überleben, aber ich hoffe das Beste. Z.B. sind nun wieder Hochzeiten mit 100 Gästen erlaubt, Sportkurse sind wieder möglich, Restaurants haben geöffnet.. Alles andere wird nachfolgen.

        Liken

  3. So lange wie ich einen Job hatte, war ich finanziell sorglos. Als ich den Job nicht mehr hatte, war ich immer noch sorglos, so lange wie ich Arbeitslosengeld bekam. Als das dann auslief, war ich nicht mehr sorglos (obwohl mein Vermögen inszwischen so hoch war wie noch nie während der Zeit der Arbeit). Und erst, als ich so etwa zwei / drei Jahre vor der Rente stand, wurde ich wieder sorglos.
    Im Nachhinein finde ich das selber ein bisschen komisch, dass meine Sorglosigkeit nicht mit dem Vermögen sondern mit den regelmäßigen Einnahmen korrelierte. Es war also wohl mehr psychisch als finanziell bedingt.
    Konkret konnte ich meine Sorglosigkeit daran erkennen, dass ich (z.B. im Supermarkt) nicht auf Preise schaute, sondern mir sagte, dass das ausgegebene Geld ja „nachwächst“.

    Liken

    • Hey rabi,
      das mit dem regelmäßigen Einnahmen & Supermarkt ist ein guter Punkt! Im Studium habe ich noch sehr darauf geachtet, immer die günstigen Marken zu kaufen. Wobei ich nicht genug Zeit hatte, irgendwelchen Rabattaktionen hinterher zu laufen. Aber aktuell habe ich keine Ahnung, was meine Lebensmittel einzeln kosten. Bei meinem Berufswechsel hatte ich einen Monat kein Einkommen. Ich wusste zwar ganz genau, dass es ja nur für 1 Monat ist, ich das freiwillig mache, ich nur 1000€ pro Monat brauche etc.. und trotzdem war es komisch, Erspartes wirklich aufbrauchen zu müssen und „Opportunitätskosten“ zu haben, weil ich auch nicht wie sonst was sparen konnte.

      Gefällt 1 Person

  4. Ja, das Finanzthema wird langsam uninteressant. Geht mir auch so. Es gibt Wochen, da schaue ich nicht mal mehr ins Depot rein, vielleicht nur am Freitagabend, um den Depotstand zu tracken.

    Der Kurssturz im März ließ mich kalt, die Sause in der letzten Woche auch, der heutige Verlust von 4,5 % juckt mich nicht. Mir ist es wichtig, dass ich andere Themen habe, nicht nur Finanzbücher und -blogs lese. Neben meinem Beruf interessiert mich Literatur im Allgemeinen, noch mehr die Musik, insbesondere die Musik Johannes Brahms‘. Im letzten Jahr begann auch mehr Interesse für die Oper. Nun interessiert mich auch das Schachspiel wieder sehr.

    Ich konsultiere eigentlich nur noch den Blog von Tim Schäfer regelmäßig.

    Liken

    • Hey Couponschneider,
      schön von dir zu lesen! Wie gehts dir? Du hattest ja schon vor ein paar Jahren ein solides Depot, dass da nicht mehr viel schief gehen konnte. 🙂 Bisher sind meine Interessen sehr praktischer Natur. Bis ich auf die Ebene der Künste komme, dauert es wohl noch ein wenig… Das Thema Geld hat mich immer interessiert (vermutlich, weil es fehlte), aber irgendwann ist auch mal Schluss und man will sich nicht mehr mit jedem über Wertpapiere und Steuertipps unterhalten. Ich finde es stattdessen schön, wenn sich die Finanzcommunity gemeinsam in allen Lebensbereichen weiter entwickelt.

      Liebe Grüße
      Jenny

      Liken

  5. Hallo Jenny,
    es gibt zwei Komponenten, wenn Du langfristig investierst. Am Anfang ist mit den ganzen Aktien, ETFs oder was einem auch immer einfällt alles ganz neu. Man interessiert sich, fängt Sachen an auszuprobieren, erweitert dadurch sein Wissen und steigert die Erfahrungswerte. Diese Sprünge sind am Anfang enorm und deshalb ist die Sache eine ganze Weile spannend. Man glaubt, es geht immer so weiter. Aber irgendwann sind die Wissenszuwächse nur noch marginal, man lernt primär durch Erfahrungszuwachs und wenn man gefunden hat, was zu einem gut passt und funktioniert, ist alles palletti. Dann wird es ein Automatismus und man muss sich nicht mehr viel darum kümmern. Anlegen wird langweilig, so wie jede Sache die man (zu) lange macht.

    Das zweite ist, dass der größte Druck genommen ist. Das war bei mir schon sehr früh der Fall. bei 20.000 dachte ich, ich bin unterwegs und unmittelbar kann mir nichts passieren. So wie Du hat fast jeder Student Existenzängste, warum sollte es bei mir anders gewesen sein? Aber mit 20.000 wusste ich, dass ich schlechte Zeiten überbrücken konnte. Ab 50.000 habe ich mir diesbezüglich keine Gedanken mehr gemacht. Jeder bekommt immer wieder mit, wenn Leute sorgenvoll werden, weil sie mal 5.000 EURO für unerwartetes zahlen müssen. Ist man in der Situation mit so einem Depot, dann weiß man dass so etwas leicht beherrschbar ist. hat man kein Geld, wird so etwas sehr schnell unangenehm. Das macht einen sehr ruhig, diese Situation ist einfach abgehackt.

    Ich setze mich auch schon lange nicht mehr hin und lese jedes Buch, jeden Blog und jede Rezension von neuen Büchern. Wenn ich ehrlich bin, lerne ich zu 98% nichts neues oder sehe, was mir bei meinem Anlageverhalten weiter helfen würde. Ich habe so viele Positionen, dass ich die einzelnen Aktien gar nicht ohne viel Aufwand verfolgen könnte. Das ist auch völlig egal. habe ich ein bisschen Geld übrig, stocke ich zumeist bestehende Positionen auf, wo ich denke dass sie gerade zu einem vernünftigen Preis zu haben sind. Viel Nachforschungen betreibe ich da nicht mehr.

    Das sollte auch genau so sein. Man muss sich im Leben mit wichtigen beschäftigen, aber man sollte sein Leben nicht mit vermeintlich wichtigem zustopfen. Hat man einen Erfahrungsgrad über die Jahre (Jahrzehnte) aufgebaut, läuft das nebenher mit.

    Im Gegensatz zu dir habe ich die finanzielle Freiheit aktiv angestrebt. mein Hauptgrund dafür war, dass ich das Thema Geld einfach abgehakt haben wollte und es mein Leben nicht mehr beeinflussen sollte. ich kann tun, was ich will. Die Coronakrise ist trotz hoher Buchverluste für mich keine Zeit, wo ich mir zumindest finanziell irgendwelche Gedanken machen müsste. ich kenne einige Selbstständige, wo das ganz anders ist. Bist Du mal in dieser Situation, wird Geldanlage noch unwesentlicher. Außer Du reitest auf der welle, immer mehr besitzen zu müssen. Wenn das der Fall ist, bist Du sowieso ein armes Würstl. Ich arbeite immer noch selbstständig und lasse mich auch gut bezahlen. Aber das Geld ist nicht mehr sonderlich wichtig. Ich kann sogar problemlos von meinem aktiv verdienten Geld leben. Und das bei im Schnitt 11 Arbeitstagen im Monat. Das ist halt auch ein Vorteil mit finanziellem Polster: Du musst nicht jeden Dreck machen. Das ist Luxus.

    Solange Du zufrieden mit deiner Situation bist, ist alles gut. man darf auch ein bisschen was ausgeben und muss nicht ständig so frugal leben wie Tim. Ist auch nicht meine Lebensdevise. Man sollte das leben genießen wie es einem gefällt. Ich werde heute z.B. schön zum Griechen in einen Biergarten mit einem Freund gehen und ihn einladen. So etwas ist mindestens so wertvoll wie gut angelegtes Geld. Schöne Zeiten kann man nie genug haben.

    Grüße Oliver

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Oliver,
      sorry fürs späte Freischalten. Bei individuellen Emailadressen steckt wordpress die Kommentare leider meistens in den Spam-Ordner.

      Existenzängste als Student sind durchaus üblich. Wobei der Druck wesentlich größer ist, wenn man Bafög im Rücken hat, auf einen Nebenjob oder einen Kredit angewiesen ist. Mein duales Studium hat mir ein wenig geholfen, aber 800€ in Stuttgart waren nicht gerade üppig und wäre ich durchs Studium gefallen, hätte ich meinem AG bis zu 6.000€ zurückzahlen müssen. Meine Beziehung wäre vielleicht auch zerbrochen, da ich dann umgezogen wäre. Es gab Monate, da konnte ich gar nichts sparen und musste Anschaffungen nach hinten schieben. Ich gehörte zur „1000€ Erspartes sind schon hart-erkämpft“-Fraktion. Als ich mit dem Studium fertig war, hatte ich irgendwann 10.000€ gespart. Ein tolles Gefühl, 5-stellig zu sein. Erst ab 20k habe ich langsam an die Börse gedacht.

      Deine Einstellung zur FF klingt sehr gesund. Ich würde auch weiterarbeiten, vermutlich etwas weniger. Ich lasse einfach alles mal auf mich zukommen, kann ja noch viel passieren. 🙂

      Ich bin zwar nicht so zielstrebig wie viele von Tims Lesern (FF mit 40 usw), aber ich erkämpfe mir Teilfreiheiten. Ich denke nicht, dass ich mit 60 40h arbeiten muss, sondern es höchstens freiwillig tue.

      Liken

  6. Hallo Jenny,

    ich melde mich auch mal wieder auf deinem Blog 🙂
    In letzter Zeit habe ich viel über finanzielle Sorglosigkeit nachgedacht.
    Dadurch, dass die Eltern meines Verlobten ihm und seiner Schwester kürzlich ein schuldenfreies Haus überlassen haben (merke, „schenken“ ist steuerlich günstiger als vererben), müssen wir uns um Miete oder Immobilienkredite keine Gedanken mehr machen.
    Auch sonst haben wir alles.
    Die beiden Autos wurden als günstige Gebrauchte angeschafft und direkt bezahlt und das Haus ist, bis auf Kleinigkeiten, komplett ausgestattet.
    Noch kann ich es gar nicht fassen, dass ich mit knapp 34 eigentlich nichts habe worauf ich sparen müsste, das ging plötzlich alles so schnell 😉

    Als Kind und Jugendliche war ich immer die „Knauserin“, die nicht gerne Geld ausgegeben hat. Auch jetzt habe ich ein schönes finanzielles Polster auf meinem Konto.
    Dabei mache ich mir seit Jahren kaum noch Gedanken darüber, wofür ich mein Geld ausgebe, sondern kaufe einfach, was mir gefällt.
    Zum Beispiel gebe ich gerne Geld für meine Virtual-Reality Brille aus und seit kurzem ist ein Saugroboter bei uns eingezogen 😀
    Ansonsten brauche ich aber auch nicht viel und bin überhaupt kein „Konsummensch“.
    Dass manche Leute, trotz gutem Gehalts, am Ende des Monats kein Geld mehr auf dem Konto haben, konnte ich noch nie nachvollziehen.
    Mein Partner legt mir ständig nah, dass ich mir doch mal was Schönes von meinem Geld kaufen soll und ich antworte ihm dann „Was denn, ich habe doch alles.“ Wahrscheinlich kommt daher mein Ruf als Geizkragen 😀

    Was mich wahrscheinlich von den meisten hier unterscheidet ist, dass ich kein Aktiendepot habe, sondern nur ganz klassisch Geld auf dem Konto „anlege“.
    Wider aller Logik, die Inflation übersteigt bei weitem die Sparzinsen, während Aktien, trotz Schwankungen, auf Dauer steigen, traue ich mich irgendwie nicht ans Thema…
    Ein zweites finanzielles Standbein wäre aber auf jeden Fall sinnvoll, man denke an die Weltwirtschaftskrise von 1929.
    Aber wie sagt der Kölner „Es kütt, wie et kütt“. Man kann versuchen, sein Leben zu planen und sich abzusichern, aber in die Zukunft schauen kann niemand.

    Liebe Grüße, Ina

    Gefällt 1 Person

    • Hi Ina,
      ich denke, dass ein Depot ohnehin erst langfristig Effekte zeigt. Also erst nach einigen Jahrzehnten. Letztlich kommt jeder zu einem gewissen Vermögen, wer gut verdient, damit gut haushaltet und ggf. etwas geerbt / geschenkt bekommt. Kenne viele ältere Ehepaare, die ihr Haus abbezahlt haben, eine gute Rente bekommen und ein wenig Geld auf dem Konto liegen haben. Ich hoffe ab und zu, dass ich irgendwo einen reichen Onkel habe, von dem keiner was weiß und uns allen viel Geld vererbt 😀 😀 Und so blöd es klingt, aber es kommt auch darauf an, wie lange man ein Pflegefall ist, ob bzw. wie viel man seinen Kindern was vererbt. Vorzeitige Schenkungen sind natürlich auch eine tolle Sache. Ist nicht selbstverständlich, dass Eltern so vorausschauend handeln

      Liken

  7. Ein interessanter Begriff. Auf jeden Fall stehe Ich voll hinter Ihm und vor allem finde Ich gut. Das du Ihn für dich gefunden hast.

    Für mich ist sparen ja schon einige Zeit nicht mehr mein wirklicher Fokus. Sparen passiert durch die Gewohnheit und das ist gut. Und Ich glaube meine finanzielle Gewohnheiten sind mittlerweile stabil genug… das Sie nicht mehr direkt mit meinem Einkommen korrelieren. Ob die Sparqoute nun 60,70 oder 50% am Ende ist. Who cares? Hauptsache es geht mir gut dabei.

    Ich glaube Ich hatte hier schon einmal geschrieben. Das Geld für mich viel mehr mit Energie verbunden ist mittlerweile und am Ende finde Ich es gut, wenn die Dinge wie Ernährung und alles dir gut tun und du damit Energie in gute Energie tauschst quasi.

    Am Ende gebe Ich für mich die finanzielle Freiheit zwar nicht auf. Aber sorglos bin Ich glaube jetzt seit gut einem Jahr. Die Rücklagen sind stark genug um Jahre zu überstehen und mein Humankapital & die Einstellung wird immer dafür sorgen wieder Geld zu verdienen. Hauptsache Ich habe Spaß dabei.

    Am Ende denke Ich weiterhin. Der ROI in dich selbst wird immer jede andere Rendite bei weitem schlagen. Nicht immer monetär aber auf jeden Fall auf der Gefühlsebene und genau das macht doch das Leben am Ende aus.

    P.S.: Ich hoffe wir sehen uns mal wieder. Hätte mal Bock einfach mal wieder zu quatschen.

    Gefällt 1 Person

    • Hi Max,
      ja, wird definitiv mal wieder Zeit für ein Treffen.. Ich hoffe, dass spätestens nächstes Jahr wieder alte Normalität herrscht.

      Als Selbstständiger denkt man vermutlich noch mal mehr an Rücklagen bzw. du musst dich ja ein wenig von Auftraggeber zu Auftraggeber kämpfen. Aber ich vermute mal, dass du jeden Monat einiges zur Seite legen kannst 🙂 Ich weiß noch, wie ich früher gedacht habe: „Von meinem Ersparten kann ich X Monate leben“ und schon lange nur noch mit „X Jahre“ kalkuliere. 🙂

      Liken

      • Hi, vielleicht wird es auch einfach mal ein kleines Treffen 😉 ist ja erlaubt. Mal schauen.

        In der IT ist es aktuell noch eher die goldene Zeit und Projekte werden ein fast hinterher geworfen. Aber ja. Ein wenig mehr Rücklagen sollten da sein. Ich rechne auch nur noch die Jahre hoch.

        Den Tag beim spazieren gehen bemerkt das Ich, wenn Ich wollte jetzt mehr Jahre zuhause bleiben könnte. Als Ich jemals bei einem Arbeitgeber fest angestellt war.

        Gefällt 1 Person

      • Das ist auch ein interessanter Vergleich. Dadurch, dass meine Sparquote bei +-50% liegt, ist bei mir das Verhältnis zwischen Arbeitsjahre vs. freie Jahre auch locker 1:1. Was schön ist an der IT-Branche, dass sie so vielseitig ist. Es gibt genug zu lernen und viele digitale Möglichkeiten. Auch meine vorige Branche (Maschinenbau) ist super spannend. Aber dort passiert viel mehr hinter verschlossenen Türen und man kann sich viel schwerer selbst wissen außerhalb der Arbeit aneignen.

        Liken

  8. Das ist Mal erfrischender Kommentar. Begriff „Parkbank“ statt finanzielle Freiheit.

    Meine These: mit Gelassenheit kommt die Rendite von ganz allein. Im Sinne des Finanzwesirs (welcher deinen Artikel im Freitags-Newsletter verlinkt hat): Get a life.

    Der Grenznutzen bei finanziellen Themen sinkt, wir sollten uns auf uns selbst und unsere Ausbildung,vulgo Humankapital konzentrieren.

    Gefällt 1 Person

    • Hi Herbert,
      mir ist ab und zu in meinem Umkreis aufgestoßen, was „Karriere / Geld verdienen“ mit sich brachte. Opfern der Gesundheit, ggf. Zerbrechen der Beziehung. Wenn man sich an die Momente zurück erinnert, wo man glücklich war, sind das oft simple Momente. Zeit mit Familie und Freunden, einfach mal abschalten und die Zeit vergessen. 🙂 Sehe es auch wie du, dass das Glück von alleine kommt, wenn man die Themen entspannter angeht und Gelegenheiten nutzt.

      Liken

  9. Hallo Jenny,
    finanziell sorglos ? Ja.
    Woran haben wir es gemerkt? Das Thema Finanzen ist langweilig geworden. Es läuft halt alles .
    Was aber machen wir nun? Wir rechnen rückwärts. Ab wann reicht es, ohne Hamsterrad auszukommen. Corona hat uns dabei übrigens inspiriert, den Sicherheitsfaktor nochmal zu checken und es war für unsere Finanzen der Stresstest. Ergebnis: Alles ist gut. Notfalls wird der vorgezogene Ruhestand wieder um ein paar Monat nach hinten geschoben.

    LG Plutusandme

    Liken

    • Bei euch mache ich mir da eh keine Sorgen 🙂 Ich denke, dass es bei der FF verschiedene Freiheitsgrade gibt. Wer sehr minimalistisch lebt und quasi keinen nennenswerten Lebensstandard hat, kann früher aus dem Hamsterrad steigen. Aber es hat keine Eile, wenn man einen guten Job hat und sich dadurch auch einen gewissen Luxus gönnen kann. Ich bin deswegen immer zwiegespalten, ob ich ein „Frugalist“ bin. Ich brauche nicht viel Luxus, aber genießen kann ich ihn trotzdem 🙂

      Liken

  10. Hi Jenny,
    Existenzängste kenne ich auch. Das Positive daran ist, dass ich gelernt habe, dass es immer irgendwie weitergeht und man einfach nicht aufgeben darf. Nach fast 8 Jahren befristeten Jobs habe ich es vor 7 Jahren in eine Festanstellung geschafft. Klar heißt das nicht, dass der Arbeitsplatz auf ewig gesichert ist, aber es ist ein gewaltiger Unterschied zu jährlichen Befristungen. Heute habe ich das große Glück, genug zu verdienen, ich keine BAföG Schulden mehr habe, mein Dispo nur auf dem Papier existiert und es geschafft habe, regelmäßig zu sparen. Trotz Festanstellung habe ich meine Fixkosten nicht sonderlich erhöht, weil ich immer noch im Hinterkopf den Gedanken habe: kannst Du auch alles bezahlen, wenn du keine Arbeit mehr hast. Ich kenne einige, die weitaus mehr verdienen als ich, aber irgendwie nie Geld haben. Zu vielen Dingen habe ich mittlerweile eine andere Einstellung: war für mich vor gut 18 Jahren ein Leben ohne eigenes Auto unvorstellbar kann ich heute gut darauf verzichten. Wobei ich mittlerweile den großen Vorteil habe, in einer Großstadt zu leben. Jedes Mal, wenn ich mich mit dem Zug Richtung Heimat mache, würde ich am liebsten sofort ein Auto kaufen 😂 Dort ist öffentlicher Nahverkehr ein Fremdwort. Ich habe auch lange gebraucht, zu realisieren, dass ich nicht mehr sparsam leben muss sondern kann. Das empfinde ich als großen Luxus.
    Im Zuge der Corona Krise habe ich meine ETF Bestände um ein paar Einzelaktien ergänzt, mal sehen, wie sich das auf die Performance auswirkt. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass es für mich weitaus einfacher ist, in ETFs zu investieren. Obwohl es mir richtig Spaß gemacht hat, mich mit Einzelwerten auseinanderzusetzen.
    Dir und allen anderen ein schönes Wochenende.
    Viele Grüsse
    Servus

    Liken

    • Das mit dem Auto kenne ich 😂 Ich wohne in der Stadt und würde ein Auto nicht mal geschenkt nutzen. Bei meinen Eltern bin ich dann wieder Kind: „Kann ich dein Auto haben?“ Obwohl ich Bahnfahren eigentlich lieber mag, habe ich mir nun zu Corona Zeiten ab und zu ein Auto gemietet und sehe durchaus die Vorteile..
      Und gratuliere zu deinem gesunden Umgang mit Geld! Wer in guten Zeiten vorsorgt, federt damit die schlechten Zeiten ab. 🙂

      Liebe Grüße
      Jenny

      Liken

  11. Finanziell sorglos trifft es auf den Punkt. So sehe ich mich seit ein paar Jahren auch.
    Wenn ich nicht bewußt irgendwelche Dummheiten mache, werde ich aller Wahrscheinlichkeit nach bis zum Lebensende, wie lange es auch gehen wird, finanziell sorglos sein. Krieg oder völliger gesellschaftlicher Zusammenbruch, etc. ausgenommen.
    Und das ist ein gutes Gefühl, das ich aber schon als selbstverständlich für mich ansehe.

    Liken

  12. Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 25/2020 › Fuseboroto.info

  13. Hi Jenny,

    tolles Thema! Ich dachte eigentlich auch, dass ich zwischenzeitlich „finanziell sorglos“ und entspannt durch´s Leben rocken kann bis ans Ende aller Tage – dann kam Corona.

    Vielleicht zu sehr verwöhnt von der Entwicklung der Märkte in den letzten Jahren, hat mir der Crash schlagartig vor Augen geführt, wie fragil nicht nur unsere Kapitalmärkte, sondern ganze Wirtschaftssysteme an sich sind.

    Jetzt sind wir (bisher) ja mit einem blauen Auge aus der Nummer raus gekommen. Im Gegenteil: der Rebound hat Chancen geboten, von denen kein Anleger geträumt hätte.
    Dennoch stellen sich mir Fragen, die sich davor noch nie stellten: was, wenn ähnliches z.B. im Rentenalter passiert, wo Vermögen richtig entspart werden will und so ein Crash plötzlich sämtliche 4%-Regeln, Trinity-Modelle, etc. in Frage stellt? Was, wenn die Mieter arbeitslos werden und keine Mieteinnahmen mehr fließen? Was, wenn der Staat hart erarbeitete Kapitalerträge zur Tilgung der Staatsverschuldung noch mehr belastet? Die Liste an negativen Gedanken lässt sich fast endlos fortführen.

    Das ist schon irre: da ist man heute „finanziell sorglos“, macht sich aber Sorgen über morgen. Vielleicht ist dein Weg daher gar nicht so schlecht: einfach mal auf eine Parkbank sitzen und chillen. 🙂
    Auch deine Einstellung, dass du später noch genug Zeit haben wirst, über Lösungen nachzudenken, wenn das Problem tatsächlich akut werden sollte (z.B. Suche einer neuen Mietwohnung), finde ich klasse! Diesen Sprung schaffe ich gedanklich nicht immer.

    Wie heißt es so schön: ohne Geld hat man Sorgen – mit Geld aber auch. Aber vielleicht kann man das um die Erkenntnis erweitern: wenn man nix zu verlieren hat, lebt es sich trotzdem leichter.

    LG

    Liken

    • Hi Wombat,
      der Staat kann leider jederzeit mit neuen Gesetzen ums Eck kommen. Gerade eine teure Wohnung zum Vermieten gekauft und zack, Mietpreisbremse etc. Oder höhere Steuern auf Kapitalerträge und und und. Komischerweise vertraue ich darauf, dass es irgendeine gesetzliche Rente geben wird. Aber wer weiß, in 40 Jahren muss man vielleicht vorher erst mal eigenes Kapital aufgebraucht werden. Bleibt spannend und kommt immer alles anders 🙂 Ich habe mit 60 hoffentlich eine abbezahlte Wohnung, ein wenig was gespart und fit genug, um irgendwelche Kurse zu geben

      Liken

  14. Ich glaube, dass es Lebensphasen sind, die entscheiden, ob ich mich stärker oder weniger stark mit Finanzthemen auseinandersetze. Aktuell interessiert mich das Thema wieder mehr, weil wir Nachwuchs bekommen haben und es jetzt um den Nestbau geht. 🙂 Das ist sehr schön und kannte ich so auch noch nicht, aber irgendwie hat das jetzt Priorität und da spielt die finanzielle Sicherheit eben eine wichtige Rolle.

    Liken

    • Hi Michael,
      dein Kommentar ist bei mir leider total untergegangen. (Die ersten Kommentare von Lesern muss ich manuell freischalten). Sorry, für die späte Freischaltung!

      Mit Kindern hat man noch mal eine ganz andere Verantwortung. Ich gehe davon aus, dass man seine Denkweisen dann auch noch mal über den Haufen schmeißt, sobald das 1. Kind da ist. Ich hoffe, ihr findet ein schönes Nest für eure Familie! 🙂

      Liken

  15. Schönen Guten Tag (-;

    ich verfolge deinen Blog schon eine Weile, wir mal Zeit kurz hallo und danke zu sagen für deine Beiträge, die immer sehr inspirierend und hilfreich sind. Ich freue mich immer wenn es was neues zum Lesen gibt…

    Viele Grüße und weiter so!

    Damian

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.