Corona verleitet Anfänger zum Zocken

Gerade kursiert in den Medien, dass sich ein 20-Jähriger das Leben nahm, weil er in seinem Depot über 700.000$ Schulden sah. Traurigerweise hatte er die Darstellung seiner Finanzen falsch interpretiert. Im Bekanntenkreis bekomme ich von einigen Börsenneulingen mit, die durch die Corona-Krise zum Zocken verleitet werden. Auch der Skandal um Wirecard verlockt viele Anleger. Als Bloggerin und auch als Freundin kann ich jedem Anfänger nur sagen:

Verzockt bitte nicht euer ganzes Erspartes.

Die Börse gilt generell als guter Ort, um langfristig zu investieren. Manche schaffen es mit Glücksgriffen ihre Investitionen in kurzer Zeit zu Vervielfachen.  Das sind aber Ausnahmen. Die Börse ist kein Perpetuum mobile, bei dem Geld aus dem Nichts geschaffen wird und alle gemeinsam reich werden. Während von ein paar erfolgreichen Fällen hört, gibt es auch genug Leute, die Geld an der Börse verlieren. Euer Kollege erzählt euch vielleicht, dass er 2.000€ Gewinn in einer Woche gemacht hat, erzählt euch aber nicht von den verlorenen 10.000€ in der Woche davor. Es gibt zudem viele schwarze Schafe unter den Unternehmen, die euch langfristig nicht bei der Vermögensbildung helfen werden.

Ich bin generell sehr zögerlich, wenn ich um konkrete Anlage-Empfehlungen gebeten werde. Ich will nicht dafür verantwortlich sein, wenn jemand Geld verliert. Ich kann mit meinem Gewissen vereinbaren, ETFs wie den MSCI World zu empfehlen. Oder auch Einzelaktien von gestandenen Unternehmen. Aber immer unter der Prämisse:

Nutzt nur Geld, was ihr wirklich nicht braucht.

Als zu Corona-Zeiten mein Depot 20.000€ weniger anzeigte als sonst, war das kein schönes Gefühl. Ich bin froh, dass ich das Geld gedanklich für nichts anderes eingeplant hatte, z.B. für einen Auto- oder Immobilienkauf.

Kann man mit Wertpapierhandel Schulden machen?

Sowas kann passieren, wenn man sogenannte Optionen handelt. Optionen sind Wetten auf fallende oder steigende Kurse. Es gibt in manchen Fällen eine sogenannte Nachschusspflicht, sodass man tatsächlich Geld nachzahlen muss. Man kann mit Optionen auch Erfolg haben. Aber sicherlich nicht als Anfänger ohne nennenswerte Kenntnisse darüber. Es ist Zockerei und man sollte wissen (wie bei fast allem im Leben), was man tut.

Ist Corona ein guter Einstiegszeitpunkt zum Investieren?

Wenn man eh vor hat zu investieren, ist es super, wenn man zufällig günstige Einstiegszeitpunkte beim Wertpapierkauf hat. Das heißt aber nicht, dass man deswegen auf Einzelaktien setzen sollte, die gerade mit Skandalen in den Medien präsent sind. Diese können sich davon zwar im besten Fall schnell erholen, aber im schlimmsten Fall  schnell pleite gehen. Das gleiche gilt für hoch gelobte Unternehmen, die jeder in seinem Depot haben will und wo der Börsenkurs unangemessen hoch ist. Auf der Welle reiten erst mal viele Investoren, aber irgendwann korrigieren sich solche Kurse, wenn das Unternehmen die Erwartungen doch nicht erfüllt.

Ein Bloggerkollege hatte vor Kurzem zur Blogparade „Private Vermögensbildung in Corona-Zeiten“ aufgerufen. Ich habe mich schwer getan, da was Passendes zu schreiben. Weil ich sehr zwiegespalten bin, ob Corona überhaupt einen Einfluss auf die eigene Anlagestrategie haben sollte. Ich bin in der Krise vorsichtiger geworden als geplant. Ich habe einen Teil meiner Wertpapiere mit Verlust verkauft und bin damit nicht unbedingt das beste Vorbild.  Ich dachte mir nicht: „Geil, günstige Kurse!“, sondern „Mist, ggf. gibt es bald Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder gar Jobverlust“. Gleichzeitig bereue ich meine Entscheidung auch nicht. Keiner kann jemanden pauschal empfehlen: „Auf jeden Fall Aktien halten / kaufen / verkaufen“, ohne die kompletten Lebensumstände einer Person zu kennen.

Wer während Kurzarbeit aus Langeweile an der Börse investieren will, sollte sich über seine Prioritäten im Leben Gedanken machen.

Niedrigere Börsenkurse gehen meist mit einer schlechten Wirtschaftslage und hoher Arbeitslosenquote einher.

Mein Fazit

Man sollte als Investor keinen Götterkomplex entwickeln. Keiner wird durch das Lesen von ein paar Büchern oder Durcharbeiten von Online-Kursen zum nächsten Warren Buffet. Die Börse lässt sich nicht durch ein paar Privatanleger „überlisten“. Falls jemand Lücken im System findet, wird den Teufel tun, es anderen mitzuteilen. Meiner Meinung nach ist es ein Glücksspiel, wenn man alles auf eine riskante Karte setzt (Bitcoin, Pennystocks und was es nicht alles gibt). Man kommt mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Ziel, wenn man etwas langfristig angeht. Wenn man dabei noch Gleichgesinnte zum Austausch hat: Umso besser. 🙂

Meine größte Zockerei waren Cannabis-Aktien. Die Aktien waren sehr überbewertet, aber ich habe auf das Wachstum der Unternehmen gehofft, da die Pflanze als Medizin absolut ihre Berechtigung hat. Ich habe die Aktien dann irgendwann mit etwas Gewinn verkauft, weil die Gesetzeslage in den meisten Ländern zu negativ ist.

Habt ihr schon mal gezockt? Ging es für euch gut aus oder habt ihr Geld verloren?

 

36 Gedanken zu „Corona verleitet Anfänger zum Zocken

  1. Hi,

    mit einem Bitcoin Tracker Zertifikat habe ich mal gezockt und gewonnen, mit einem Ethereum-Zertifikat mal verloren.

    Von Wirecard habe ich am Freitag für 26,50/Stck. ein paar Aktien gekauft, aber da die zum Kaufzeitpunkt nur rund 0,3% meines Vermögens ausgemacht haben, bin ich da sehr entspannt – werde im Falle einer Erholung aber eben auch nicht reich 😉

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    • Hi, ich bin bei Wirecard nicht so in der Materie. Gibt es einen Grund, dass der Kurs bereits seit 2 Jahren kontinuierlich fällt? Auch ohne den neusten Skandal sieht der Kursverlauf nicht so berauschend aus. Theoretisch kann sich der Kurs auch wieder erholen und z.B. verdreifachen (wünsche ich dir natürlich :)). Aber so Zockereien mit kleinen Beträgen machen kaum reich. Da müsste man vermutlich 5-stellige Summen zocken, damit sich eine Vervielfachung wirklich im Depot bemerkbar macht. Meine amazon-Aktien haben sich z.B. in wenigen Jahren verdreifacht. Hätte ich damals mal 50k reingesteckt und nicht nur 2k 😦

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      • Naja, 2018 lag das sicherlich noch hauptsächlich am fallenden Gesamtmarkt, und seit 2019 wurden ja die (nun offensichtlich begründeten) Verdachtsmomente wegen Bilanzfälschung von der Financial Times immer wieder befeuert (in deren Archiv finde ich vom Januar 2019 beispielsweise die Meldung „Executive at Wirecard suspected of using forged contracts“).

        Außerdem kam die hohe Bewertung vermutlich auch aufgrund von Wachstumserwartungen, die in der Höhe eher nicht erfüllbar waren. Generell ist Wirecard aber im Gegensatz zu Steinhoff, Lufthansa und den deutschen Banken in einer Branche, die insgesamt mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wächst – nutzt natürlich nur was, wenn sie einerseits keine Marktanteile verlieren und vor allem vorher nicht insolvent werden. Deswegen habe ich mich jetzt auch nicht getraut, mit nennenswerten Summen dort reinzugehen (bei Einzelaktien begrenze ich die Summe pro Aktie aber eh schon stark), die Zukunft wird’s ja aber auf jeden Fall zeigen, ob gar nicht oder eben doch mehr zu investieren besser gewesen wäre 😉

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  2. So richtig „gezockt“ habe ich eigentlich nur früher, als ich noch gearbeitet hatte. Und zwar mit Lotto. Da gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder verliere ich ein paar Euro und werden bis zur Rente arbeiten müssen – oder ich gewinne Samstag die Million und fange ein schönes Leben an.
    Im Lotto gewonnen habe ich zwar nie (außer hin und wieder Drei Richtige), aber die Sache mit der Kündigung und dem besseren – stressfreien – Leben ging dann doch noch eines Tages.
    Ansonsten bin ich aber viel zu schissrig, um „richtig zu zocken“. Aber Wirecard habe ich schon als die noch bei 120 standen, gesagt, dass ich frühestens, wenn die unter 50 sind, über einen Kauf „nachdenke“. Nachdenken kostet ja nichts.

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    • Hi Rabi,
      ja, nachdenken schadet nicht. Sehe ich auch so! 🙂 Bei manchen Unternehmen lässt sich vermuten, dass sich diese trotz Skandal wieder erholen. Habe früher auch ab und zu Lotto gespielt. Jetzt eher mal alle 2 Jahre, wenn ich zufällig vor so einer Lotto-Annahme-Stelle stehe. Die Steigerung die Chancen von 0 auf „irgendwas“ lohnen sich für 2€. Aber deswegen 50x im Jahr zu spielen, rechnet sich für mich eher nicht.

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      • Nein, rechnen tut sich Lottospielen nicht. Nur für die Lottogesellschaft – und für die sehr wenigen Großgewinner (für die so ein Lottogewinn die einzige Möglichkeit ist, um zu Reichtum zu kommen).

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  3. Hallo,

    ich bekenne mich schuldig. Ich habe, als ich 20 – 25 Jahre alt war mit allem gezockt, was nicht bei drei auf den Bäumen war, Optionen auf Währungen und Aktien, dann gab es damals Optionsscheine und als ich bei der amerikanischen Börse im OTC-Markt (ja, dass sind die hochriskanten Aktien) gearbeitet hatte, auch mit denen. Mein Credo war: Eine 7:3 – Quote mit positiven Deals ist gut. Nun, manches klappte, anderes eher nicht und manches – hüstel – so gar nicht. Das einzige, wo ich mich rausgehalten habe, waren Warentermingeschäfte. Aber es war damals für mich schon ein erhabenes Gefühl, 20.000.0000 US-$ (1990) zu einem bestimmten Kurs kaufen zu können. Ja, die Selbstüberschätzung.

    Ein Studienfreund von mir war auch vom Zockvirus befallen. Er hatte ein Praktikumssemester bei Merryl Lynch bei dem damaligen Europachef gemacht und ebendiese Warentermingeschäfte für sich entdeckt. Kaffe war der Deal und als wir in München zum Seehaus im Englischen Garten schlenderten, erzählte er mir, was ich ihm raten könnte seinen Onkel zu überzeugen dass dort x Tonnen Kaffe gelagert werden, weil der Deal nicht so gut laufen würde. Er ist noch einmal drumherum gekommen und mit etwas Verlust aus der Sache ohne Kaffeelieferung gekommen.

    Insgesamt bin ich mit diesen Spielchen mit Plus rausgekommen, aber reich wurde ich nicht. Für den Nervenkitzel (wenn BASF heute um 1 DM steigt, bin ich 500 DM los. Mist es sind 3 DM heute mehr…) war es das nicht wert, auch wenn es einige lustige Annekdoten gebracht hat (Bürgerkrieg auf Bougainville – da gibts wohl keine Kupfermine mehr…).

    Gut, nehmen wir Corona. Alles hat seine Chancen und seine Probleme. Du hast etwas wichtiges geschrieben: Kein Mensch weiß, wie sich etwas entwickeln wird. Das einzige, was man sich überlegen kann, wenn man etwas Geld zur Verfügung hat: Welche Unternehemen haben eine gute Chance durch die Krise zu kommen? Bei denen, die sich schwerer tun, kann man sich überlegen, ob die überleben. So abgezockt wie Tim z.B., der bei sehr niedrigen Kursen Carneval kauft ist nicht jeder. Überlebt der Laden, hat er den nächsten mit 30facher Bewertung irgendwann inklusive einer Dividende, die seinen Kaufpreis entspricht. Die Wahrscheinlichkeit ist – sagen wir mal mittel – und es kann auch so laufen, dass die 5.000 weg sind. Für ihn ist es egal, weil der Betrag gemessen an seinem Gesamtvermögen verschmerzbar ist. Macht es einer, der nur die 5.000 besitzt, dann finde ich das ungeschickt gedacht. Auch wenn der Deal aufgehen sollte und er danach sagen kann: Na siehste, was ich für ein smartes Bürschchen bin. Das ist einfach wie auf die 13 mit seinem ganzen Geld bei Roulette setzen.

    Zu Wirecard: Habe ich nicht in meinem Depot. Habe ich noch nicht einmal daran gedacht, aber das ist wohl der langjährigen Börsenerfahrung geschuldet. Obwohl ich auch Mist mit anderem Namen besitze, langjährige Börsenerfahrung macht nicht unfehlbar. Hier war meine Überlegung: Was ist die Chance, wenn es irgendwie gut geht? Was wird voraussichtlich passieren, wenn die Gerüchte (die gibts ja nicht erst seid einem Monat) sich als wahr erweisen? Klare Geschichte: Risiko ist höher als die Chance. So, das Papier steht jetzt irgendo bei 25 EURO und der Kurs schaut optisch niedrig aus ( wehe dem, der die Aktie für 200 gekauft hat). Aber ist sie wirklich mit dem Umstand des Verlustes von knapp 2 Milliarden, ohne Vorstandsvorsitzenden und mit einem Ruf der etwa gleichwertig des der Triaden ist wirklich preisgünstig? Selbst wenn das Unternehmen nicht in den nächsten 6 Monaten pleite geht, was soll folgen? Und wäre ein Erfolg schnell möglich? Das muss jeder für sich selber beantworten.

    Mein Fazit zu alldem: Ja, man muss am Anfang und auch später ständig Erfahrungen sammeln. Ja, man kann auch mal was riskieren, aber nur mit Spielgeld. Man lernt dadurch das Leiden, Umgang mit Verlusten und das die Welt dadurch nicht untergeht. Und Jenny: Ich hatte an manchen Tagen im März an einem Tag höhere Buchwertverluste als Du gesamt mit deinen 20.000 :). Wenn Du nochmal 10 Jahre weiter bist, wirst Du es nur mit einem Achselzucken registrieren. Weil Du eben nicht verkaufen musst und es einfach aussitzt. Es kommen auch die anderen Tage, wo es wieder aufwärts geht. Du verlierst maximal einzelne Positionen, deren Firmen insolvent gehen. Wenn Du viele Positionen hast, bleiben dir immer welche. Und wenn nicht, hast Du ganz andere Probleme als Aktien.

    Dir noch einen schönen Sonntag
    Oliver.

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    • Huhu Oliver,
      ja, du hast in deinem Depot vermutlich andere Zahlen als ich.. 😀 Ich hoffe, dass ich diese Gelassenheit auch noch bekomme. Mein Depot hat sich von Corona immerhin komplett erholt und sogar die realisierten Verluste wieder wett gemacht. Da ich viele Tech-Aktien besitze, war mein Depot aber selbst zu Corona Zeiten freundlich grün.

      Tim hat mit Aktien ein gutes Händchen. Wenn man überall mal ein paar 5.000€ investiert und sich nur ein Wert davon verzehnfacht, hat man seine Investitionen schnell wieder raus. Dass alle Unternehmen pleite gehen im Depot ist wohl wirklich unwahrscheinlich. Stelle es mir trotzdem nicht so angenehm vor, wenn sich mal eben eine 100k-Position halbiert oder gar wertlos wird. Aber mal schauen, wie ich dann reagiere. Es hilft, wenn man nicht regelmäßig reinschaut. Tracke auch aktuell meinen Depotverlauf nicht.

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    • Ich finde es interessant, was du da geschrieben hast mit dem Zocken.
      Was war dein End-Ziel dabei? Was wolltest du damit erreichen (mit 20-25)? (zum Beispiel: mit 30 bis zum Lebensende nie mehr wieder arbeiten müssen)

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      • Hallo Rabi,
        das Endziel war natürlich, so viel Geld zusammen zu bekommen, dass ich mir all die netten Dinge leisten kann, die ich in meiner Jugendzeit in meiner armen Familie nicht hatte. Das war aber nicht das primäre Ziel. Das war das Ausprobieren meiner Möglichkeiten. Ich habe eine Ausbildung in einer Bank gemacht und da hat jeder mit Aktien spekuliert. Dann ein kurzes Intermezzo bei der Deutschen Bank (was war das damals ein fürchterlicher Arbeitgeber) und dann der OTC-Markt, wo Du nur von Händlern umgeben warst. Dazu hatte mich der Film „Wall Street“ mit Michael Douglas inspiriert. Mit Beginn des Studiums habe ich nicht mehr viel an der Börse gemacht.

        Nein, ich hatte nicht das Ziel, mit 30 nicht mehr zu arbeiten. Ganz im Gegenteil, ich wollte ein Unternehmen gründen (habe ich dann mit 28 nach ca. 1 Jahr Soloselbstständigkeit gemacht). Um das zu tun, war mir klar, dass ich etwas Geld benötige. Und dafür hat es gereicht.

        Ich bin der Zeit im Nachhinein dankbar. Zumeist lernt man mehr von negativen Ergebnissen und da ich so viel getan habe, waren einige dabei. Ich habe das Aushalten von Verlusten gelernt, meine Gefühle mit Geld/Wertpapieren besser in den Griff zu bekommen (die Gier und die Angst – wobei man nie ganz davon befreit ist. Man kann sie nur besser kontrollieren) und das man darauf achten sollte, möglichst viel selber zu hinterfragen und nicht auf irgendwelche Tipps zu hören. Also das Ding zwischen den Ohren benutzen.

        Es hat aber trotzdem noch lange gedauert, bis ich zu dem heutigen Langfristanleger geworden bin. So richtig ernsthaft bin ich erst etwa mit 40 in diese Richtung gegangen. Wobei ich es nicht wie so viele bereue, erst so spät damit angefangen zu haben. Diese Reue finde ich sowieso Bullshit, da ich davor auch gut gelebt und sehr häufig das getan habe, was ich wollte. Finanzielle Freiheit bedeutet ja nicht die Lösung aller Probleme oder dass Du dich nur damit ganz toll fühlen darfst. Du hast lediglich (und das ist kein kleiner Vorteil) die Möglichkeit, dein Leben freier und unabhängiger zu gestalten. Nicht mehr jeden Mist mitmachen zu müssen und dich mit dem zu beschäftigen, was dich wirklich interessiert. Das ist der größte Nutzen von finanzieller Freiheit. Du bist weder glücklicher noch werden deine Probleme automatisch gelöst. Es ist nur einfacher, viele dieser Probleme mit Geld zu lösen. Aber sie sind noch da. Trotzdem kann ich jedem empfehlen, dieses Ziel anzustreben.

        Grüße Oliver

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  4. Ich kann Dir nur zustimmen, bzgl. der Zockerei. Wobei ich bisher keinen Fall in meinem Umfeld hatte, dass jemand wegen Corona und günstigen Einstiegskursen wirklich etwas investiert hätte. Es waren maximal Lippenbekenntnisse, nach dem Motto: eigentlich sollte man jetzt kaufen, wenn die Krise da ist und die Kurse im Keller liegen.

    Es dann aber wirklich zu tun und in diesen Zeiten der Unsicherheit Geld zu investieren, sind zwei Paar Schuhe. Dazu kommt, die meisten zahlen ihr Häuschen ab und haben damit eh kein Geld um großartig zu investieren.

    Mit Anlageempfehlungen tue ich mir auch schwer, am Ende wird man noch verantwortlich gemacht. Von daher empfehle ich maximal eine Sparplanstrategie und den MSCI-World, passenderweise mit Link zum Wesir, der die Grundlagen dort gut aufbereitet hat.

    Gruß
    Fuseboroto

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    • Hi Fuseboroto,
      ich verweise auch gerne auf den Finanzwesir. Oder nach wie vor den Holzmeier-Thread im Wertpapier-Forum. Immerhin kann ich auch meinen eigenen ETF-Artikel verlinken. Mir war es immer wichtig, dass ich damit jemandem „kurz und knapp“ was zum Lesen geben kann.
      In meinem Umkreis bekomme ich von vielen Interessierten mit und von ein paar, die nun auch ein wenig zocken. Bisher aber (zum Glück) nur kleinere Summen oder mit wenig Verlusten. Wobei man ja auch nicht alles erzählt bekommt.

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    • Das finde ich interessant, wie unterschiedlich die Menschen sind und das jeweilige Umfeld ist.
      Von den Freunden, die investieren hat rund die Hälfte der Leute während der Krise höher investiert, als sonst. Der eine mehr, der andere weniger. Aber alle etwas stärker. Nur einer hat es aber geschafft, All-In zu gehen.
      Ich war nicht dabei, wenn sie auf kaufen klickten, aber ich glaube denen mal. 😉

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      • Das ist wirklich spannend, bei mir im Umfeld sind Aktien eher unbekannt und auch der Crash wurde nur vereinzelt thematisiert. Ansonsten wird die Börse einfach ignoriert.
        All-In ist halt auch eine ordentliche Wette, würde ich auch nicht machen.

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  5. Vor allem die Corona-Krise wo eine schnelle V Erholung da war, war bestimmt ärgerlich früh verkauft zu haben. Viele Aktien haben wieder ihre Allzeithochs wieder erreicht.

    Ich selber Zocke gerne, aber nur mit einer Recherche und Analyse der Unternehmen. Mein Nel Asa Zock ist momentan mit 400% im Plus. Aber jeder meiner Zocks ist nur mit wenig Geld erkauft und ich bin auch bereit diesen gegen die Wand zu fahren

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    • Hi Sanja,
      ja, ein wenig ärgerlich ist es schon. Aber trotz meines realisierten Verlusts ärgere ich mich nicht so sehr, wie man denken könnte. Ich wollte letztlich meine Cash-Reserve erhöhen, um besser schlafen zu können. Genauso gut hätte die Börse auch noch auf -50% runtergehen können, ich wäre parallel arbeitslos usw. Mir ist es so nun lieber.

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  6. Hi Ex-Studentin,

    mit dem Zocken ging es bei mir sehr „ängstlich und sparsam“ los. Von einer gestandenen Aktie, mit der ich gut verdiente, hatte ich einige Anteile verkauft und dieses Geld als „Zocker-Kapital“ deklariert.
    Die Überlegung dahinter war, dass ich das Geld unerwartet verdient hatte, es also nicht so schlimm ist, wenn ich es wieder verliere und mit einer Null dastehe. Dieser Gedanke ist zwar nicht ganz logisch, hat aber trotzdem irgendwie beruhigt. 🙂

    Seither zocke ich nur mit diesem „Zocker-Kapital“ und natürlich den Erträgen, die ich bisher daraus „erzockt“ habe. Meine anderen Anlagen rühre ich für´s Zocken nicht an.
    Über die Zeit waren ein paar sensationelle Hits dabei, allerdings möchte ich ehrlich sagen, dass ich auch schon diverse schlechte Konserven aufgemacht habe. Wäre es so einfach, dann würden ja nur noch Multis auf dem Planeten wandeln.
    Da ich mit einem vergleichsweise niedrigen „Zocker-Start-Kapital“ loslegte, war das aber ein mühsames, arbeitsintensives Unterfangen, bis unter dem Strich ein akzeptabler Betrag stand.

    Meine persönliche Erkenntnis heute ist: mehr Freizeit ist mir wertvoller!

    Ich bin heute lieber mit höheren Beträgen in halbwegs soliden Investments unterwegs, wo die Renditen vielleicht nicht so berauschend sind, wie bei spannenden Derivaten, etc., aber dafür muss ich nicht Ewigkeiten vor dem Bildschirm kleben und kann draußen entspannter das schöne Wetter genießen und meinen Hobbies und anderen Freuden nachgehen. Sorgen um die gestandenen Anlagen mache ich mir (vielleicht unbegründet) sowieso schon genug, wie bei deinem Thema „finanziell sorglos“ angesprochen.

    Ab und zu mal noch Zocken, wenn mich die Lust dazu überkommt – immer mal wieder gerne. Aber regelmäßig definitiv nicht mehr.

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    • Kann die Strategie mit dem „Gewinne zum Zocken nutzen“ gut verstehen. So ähnliche Gedanken hatte ich auch schon. Ich will letzten Endes besser sein als ein Girokonto, das ist so der Benchmark.

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  7. Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 26/2020 › Fuseboroto.info

  8. Hallo Jenny,

    nein, ich habe noch nie (mit echtem Geld – um 2000 herum gab es so ein Börsenspiel mit virtuellem Geld…) gezockt.

    Aber tatsächlich war durch die -30% an der Börse meine Cash-Quote schon massiv gestiegen, das habe ich Ende Februar und Ende März mit kräftigen Nachkäufen korrigiert.

    MfG, Arno

    P.S: Tja, und Wirecard war wohl zumindest kurzfristig nix.

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      • Das war das „System“ – ich hab mir 80% Aktien und 20% Cash vorgenommen, durch den Kurseinbruch (und neues Erspartes) war ich bei ~75% Aktien und ~25% Cash, also hab ich ~5% des Gesamtvermögens nachgekauft. Einmal Ende Februar und nochmal Ende März.

        Für mich funktioniert das so. Bisher. Danke für die Glückwünsche 🙂

        MfG, Arno

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  9. Hallo Jenny,

    ich rede nur über Aktien.

    Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Arten von Anlegern.

    Die, die genau wissen, was sie tun. Das sind Anleger, die sich intensiv mit Unternehmen (Aktien) beschäftigen. Man kann JEDES Unternehmen per Internet ausführlichst analysieren. Kostet aber Zeit und Mühe. Management, alle Produkte, alle Länder, wo was verkauft wird, Fabriken … eben alles. Beispielsweise befindet sich in meinem Arbeitszimmer 6 Ordner nur mit Informationen zur Coca-Cola Company.

    Und die, die kaum Ahnung haben. Die hier und da mal investieren, weil die Börse ja immer steigt. Die sollten allesamt in ETF investieren und ja nicht in Einzelaktien.

    Je weniger Ahnung man hat, desto mehr sollte diversifiziert werden.

    Und dann gibt es dazwischen eine riesengroße Anzahl von Leuten, die glauben, das sie wissen, was sie tun. Die sind ganz besonders gefährdet für böse Reinfälle.

    Aber generell sind Krisenzeiten eine gute Zeit, um mit dem Kauf von Aktien zu beginnen. Aber wichtig ist eben, in was man investiert.

    Schöne Grüße

    Uwe

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  10. Hi Jenny,

    Also der „Corona-Crash“ hat mich nicht sonderlich nervös gemacht. Ich hab Buchwertmässig viel verloren, aber ich muss nicht verkaufen und habe einen sicheren Job. Mich hat eher die schnelle Erholung überascht. Da warte ich noch auf das dicke Ende, eine weitere Delle, aber irgentwo muss ja das ganze Geld auch hin, das gedruckt wird. Also k.a.
    So cool bin ich aber nur, weil es nicht mein erster Crash ist. Den ersten habe ich mit: bleib in der Krise investiert und guck einfach nicht mehr ins Depot ausgesesen. Als ich nach eine Weile (denke 2 Monaten, weiss nicht mehr) wieder für Aktien interesse hatte, hatte ich zwar die richtige Idee, aber kein Geld für die Börse übrig. Die folgenden „Crahs´s“ werden dann aber leichter. 😉
    Meine erste „vermutlich“ Pleitefirma hat mich da schon eher ein paar Tage belasstet. Wirecard. Zu einen tollen Preis vor Jahren eingekauft und letztes Jahr nachgekauft. Ja es gab Gerüchte, Berichte und alles drum herum. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, das jemand Zahlen in dem Ausmaß manipuliert. Und das es niemanden abemerken würde. Ich würde deshalb nicht Gefängnis riskieren. Und die Zahlen sahen ja gut aus. Laut meine Berechnung aus „Regel Nr.1 “ toll. Da war die Firma gegenüber Konkurenten noch unterbewertet. Hätte eher auf meine Value-Rechnung hören sollen. Aber da gab es länger nix mehr zu kaufen.
    Geistig hab ich dann nach 1-2 Wochen den Schlußstrich gezogen. Im Kopf hab ich sie als Verlust auf Wert 0 gesetzt. Und da die Teile eh nix mehr wert sind, behalte ich sie auch erstmal als „Erinnerung“ und „Denkzettel“.
    mfg Andi

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    • Hi Andi,
      war hoffentlich keine größere Position. Solche Ereignisse gibt es nicht oft, aber leider immer wieder.. Bin mal gespannt, wann mich mal eine Insolvenz im Depot trifft. Das kann vor allem nach hinten raus weh tun, wenn man dank toller Kursentwicklungen 5- oder gar 6-stellige Positionen hat. Aber so ist’s halt. Ich frage mich, wie gut ein Depot nach 50 Jahren abschneiden würde, wenn man jedes Jahr die größten Dax oder Dow Jones Werte kauft und nie wieder verkauft.

      Auf die nächste Delle warte ich auch noch. Ich traue dem Frieden nicht. Aber wir werden sehen. Bisher bin ich ein schlechtes Orakel 😀

      Liebe Grüße
      Jenny

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      • Hi Jenny.
        Naja, je nachdem wie man rechnet. In Monatsgehälter darf ich das nicht umrechnen. Aber einen Vorteil habe ich deshalb. Ich hab keine Bedenken mehr, in Russland oder Asien zu investieren. Den wenn in Deutschland die Aufsicht über Jahre versagt, dann kann ich auch mit den Info´s aus anderen Ländern leben.
        Den nächsten schock an der Börse erwarte ich eigentlich im Herbst, mal sehen.
        Mfg Andi

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      • Hi Andi,
        ich bin gespannt, wann Kurzarbeit in manchen Firmen ausläuft (derzeit max. 1 Jahr). Und wie lange der Staat alle SV-Beiträge übernimmt (derzeit bis Ende des Jahres). Denn sobald Firmen die Gehälter wieder selbst zahlen müssen, wird es Entlassungswellen geben. Weitere Sparmaßnahmen usw.

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  11. Aus meiner Sicht sollten Anleger auch in diesen stürmischen Corona-Zeiten einfach stur ihren Investmentplan weiterverfolgen. Natürlich gibt es Leute die mit einer Wette auf z.B. Wirecard 150 % plus an einem Tag machen, dagegen steht aber auch eine enorme Anzahl von Leuten die vorher über 90 % Verlust gemacht haben.

    Deshalb bevorzuge ich einen Mix aus MSCI World und MSCI Emerging Markets. Da ist alles drin und ich muss nicht auf die Outperformer „wetten“.

    Viele Grüße

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    • Hey,
      das ist wohl die beste Strategie. Wer zufällig günstig nachkaufen kann, hat Glück. Mir hat diese kurze Corona Krise geholfen, mich besser kenne zu lernen und meine Strategie anzupassen. Theorie und Praxis waren doch noch mal was anderes. Uns die nächste Krise kommt bestimmt.

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    • Hallo zusammen, es ist auch unsere erste Krise, die wir am eigenen Portfolio erlebt haben. Die ganzen Einbrüche der ETF‘s haben mich relativ kalt gelassen, da wir die Papiere eh längerfristig halten wollen und verglichen mit anderen noch ein relativ kleines Portfolio (ca. 30k) haben (mein Depot, das von meiner Frau und das von unserem kleinen Sohn). Vermutlich wäre ich bei einem deutlich größeren Depot bzw. bei Einzelaktien nicht mehr so entspannt, wer weiss.. Jedenfalls ist es gut zu wissen, dass man bei solchen hohen prozentualen Verlusten die Ruhe bewahrt und nicht Hals über Kopf alles verkauft – da zahlt sich definitiv der Grundsatz aus, nur das Geld zu investieren, das man auch längerfristig nicht benötigt. Ich hab noch im April überlegt, größere Einzelinvestitionen zu tätigen und ETF‘s nachzukaufen, hab mich letztendlich doch dagegen entschieden und „lediglich“ unsere laufenden Sparpläne vom Betrag her verdoppelt. Momentan kratzen die beiden Depots wieder an der schwarzen Null. Das Depot unseres Sohnes, wo wir lediglich einen einzigen Welt-ETF besparen, steht schon saftiger Plus😎

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      • Hi Ton,
        Glückwunsch zum Ruhe bewahren. 🙂 Verdoppelung des Sparplans klingt immer gut! Mein Depot ist erstaunlich grün. Ich frage mich, ob ich besser gehandelt hätte, wenn der Kurseinbruch länger gedauert hätte. Die Kurse waren durch Corona enorm volatil, sodass ich sehr überrumpelt war. Aber wird nicht die letzte Krise bleiben..

        Liebe Grüße
        Jenny

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  12. Hallo Jenny, danke dir😎 Toll, dass dein Depot bereits grün ist – da hast du deine Einzeltitel gut ausgewählt. Hast du neben deinen erwähnten Verkäufen von ein paar Aktien, auch welche außerplanmäßig aufgestockt oder komplett neu gekauft?
    Ich finde die Erholung der Finanzmärkte kam enorm schnell und spiegelt aus meiner Sicht nicht wirklich die allgemeinen Wirtschaftssituation wider, die von Kurzarbeit, Nachfragerückgang und dergleichen geprägt ist. Könnte mir vorstellen, dass es auch eine weitere Korrektur dee Kurse geben könnte, auch wenn diese vermutlich nicht so heftig ausfallen wird.

    Viele Grüße
    Ton

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    • Hi Ton,
      ich habe ETFs nachgekauft und leider erst nach dem Einbruch Microsoft und J&J neu ins Depot geholt. Leider habe ich aber auch Xiaomi & Nvidia verkauft. Für mich ist es deswegen gut ausgegangen, weil ich amazon und Co. schon vorher im Depot hatte. Trotz der kleinen Aktien-Positionen reißt mir das die Performance hoch 🙂

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