Zwischenfazit: Mein Depot nach persönlicher Corona-Schockstarre

Seit April habe ich mein Depot kaum noch angefasst. Wie die meisten hat mich die Corona-Situation ab März ziemlich überrumpelt. Ich persönlich war mit der Gesamtsituation überfordert. Ich hatte mir „eigentlich“ mal vorgenommen, in Krisenzeiten günstig Wetpapiere nachzukaufen und somit den Vermögensturbo einzulegen. Die Corona-Krise hat mich emotional mehr erwischt als gedacht. Für mich stellt sich die Frage, inwiefern ich meine Investitionsstrategie anpassen muss. So langsam erhole ich mich wieder von dem Schock und kehre wieder in einen „normaleren“ Modus zurück.

Das Jahr fing so gut an..

Das Jahr 2020 fing für mich eigentlich gut an: Den Januar hatte ich frei, lernte brav auf meine Klausuren für mein Fernstudium. Am 01.02. trat ich eine neue Stelle an. Typisch Winter waren viele meiner Kollegen krank. Da Corona bereits präsenter in den Medien war, machte ich eine Woche Homeoffice, als ich vor mich hin kränkelnde. Und hurra: Klausuren mit tollen Noten bestanden!

Wir freuten uns zudem auf über 5 Hochzeiten und viele 30. Geburtstage, die bald im Freundeskreis anstanden.

Jeder hat seine eigene Corona-Erfahrung

Wie bei den meisten wurde es ab Mitte März dann ernst und meine ganze Firma arbeitete von zuhause aus. Parallel gab es bei meinem Freund mehrere Corona-Fälle in der Firma, weil sich 1 Kollege auf einer Geburtstagsfeier angesteckt hatte. Man nahm es dort relativ locker, weil anfangs keine ernsten Symptome ersichtlich waren. Nach 2 Wochen wurde ein Kollege ins Krankenhaus gebracht. Künstliche Beatmung, weitere 3 Wochen später war er tot. Ein junger Papa mit 2 Kindern. Auch im Freundeskreis erzählte man von Bekannten mit schweren Verläufen, teils tödlichen Verläufen. Ausschließlich Menschen U60. [So im Nachhinein betrachtet hatten wir in unserer Region einfach sehr viele Fälle und dadurch vermutlich mehr Berührungspunkte damit.]

Ich bin, zugegeben, ein ohnehin ängstlicher Mensch. Aber durch die Negativ-Beispiele direkt zum Beginn der Corona-Krise wurde ich ziemlich panisch. Ich legte kleinere Vorräte an und hielt mich stur an den Lock-Down. Da ich noch ganz frisch in Probezeit war und emotional die Weltuntergangsstimmung mitfühlte, verkaufte ich einen Teil meiner Aktien. Ich hatte das Gefühl, so wenigstens überhaupt irgendwas tun zu können, um wieder Ruhe in mein Leben zu bekommen. Mit dem höheren Tagesgeldpuffer schlief ich tatsächlich wieder ruhiger und es bewahrte mich vor weiteren Panik-Wertpapier-Verkäufen.

Zurück zur neuen Normalität

Ich musste meine Emotionen irgendwie in den Griff bekommen: Da ich ohnehin keine Medien verfolgte, musste ich zusätzlich im Freundeskreis härter durchgreifen: Ich ignorierte alle Kommentare mit extremen Corona-Ansichten: Weder der „Corona ist nicht schlimmer als eine Grippe“ noch der „Wir werden alle sterben!“-Fraktion wollte ich zuhören. Ende Mai fuhr ich das erste Mal wieder zu meiner Familie und nach und nach kehrte wieder mehr Normalität in mein Leben ein: Ab und zu Freunde treffen, Hochzeiten feiern. Trotzdem ein wenig Abstand halten, Maske tragen. Dass ich mit Krankheitssymptomen keine Freunde treffe, war für mich auch schon vor Corona normal. Mein Freund und ich haben nun unsere Wohnung etwas besser eingerichtet: Einige neue Möbel, inklusive Schreibtisch & Bürostuhl, da ich weiterhin von zuhause aus arbeite und dank Homeoffice nun viele Lieferungen entgegen nehmen konnte.

Wie hat mein Depot das Ganze überstanden?

Ich verstehe mich nach wie vor als „unter anderem Finanzblog“, weswegen ich auch auf mein Depot eingehen will.

Ich habe in der Krise rund 12.000€ meiner Aktien verkauft, um meinen Tagesgeldpuffer zu erhöhen.

Bei meinem Pech sind diese Werte (Xiaomi & Nvidia) nach Corona natürlich ohne mich wieder enorm gestiegen, weil ich (natürlich) nur tolle Werte in meinem Depot hatte, die ich verkaufen konnte. Ich hatte mich für die beiden entschieden, da ich diese noch nicht lange im Depot hatte und quasi ohne Verluste verkaufen konnte. Dass diese nach Corona wieder steigen würden, war mir beim Verkauf mehr als klar. Mein restliches Depot durfte bleiben, obwohl ich über Umschichtungen nachgedacht habe. Wenn ich heute in mein Depot gucke:

Ich habe trotz der Verkäufe höhere Gewinne als vor Corona.

Obwohl meine Einzelaktien den kleineren Teil meines Depots ausmachen, haben sich diese wenigen Werte sehr toll entwickelt. Die beste Entwicklung hat amazon hingelegt: 2016 für rund 2.000€ gekauft, nun rund 8.000€ wert.

Ich habe Ende April Microsoft & J&J gekauft, weil ich die beiden Unternehmen schon länger im Depot haben wollte. Da ich nun meine Probezeit bestanden habe und mein Tagesgeldpuffer ausreichend gefüllt ist, habe ich gestern wieder einen ETF-Sparplan eingerichtet. Den hatte ich bereits vor Corona ausgesetzt, weil ich stattdessen Einzelaktien kaufen wollte.

Zwischenfazit

Ich habe keine Ahnung, wie es mit Corona oder der Börse weiter geht.

Für mich war diese kurze Krise ein „Vorgeschmack“ wie ich mich in einer Krise verhalte.

Ich hatte befürchtet, dass eine richtige Krise mich auch emotional belasten wird. Sowas wie Brexit und Co. waren mir davor egal – ich hatte mit meinem kleinen Depot schon häufiger Kurseinbrüche. Aber wenn der eigene Job oder die eigene Gesundheit unsicher sind, ist das für mich viel emotionaler. Das Geld im Depot ist im Vergleich nicht so wichtig, wenn man andere Sorgen hat. Ich habe nun gelernt, dass ich meinen Tagesgeldpuffer weiterhin vergleichsweise hoch belassen werde, einfach für einen besseren Schlaf.

Ebenso werde ich mich weniger von „Du musst dich so und so verhalten“-Kommentaren beeinflussen lassen.

Auch wenn diese gut gemeint sind. Ich bin nach wie vor niemand, der „Buy and Hold“ predigt und auch niemand, der jegliche Skandale nutzt, um günstig nachzukaufen [Das kann wie bei Wirecard ziemlich in die Hose gehen]. Ich bin niemand der „All in“ investiert ist und niemand, der ständig ins Depot schauen will. Am Ende ist alles nur Geld und man muss mit seinen eigenen Entscheidungen leben.

Auf einer Hochzeit diesen Monat traf ich ein paar Schulfreundinnen und wir unterhielten uns darüber, was aus diversen Klassenkameraden geworden ist. Eine Mitschülerin war nur wenige Tage vorher an Krebs verstorben. Damit ist sie leider schon Nr. 3 unter meinen ehemaligen Klassenkameraden, von deren Tod ich erfahren habe. Solche Situationen zeigen mir immer wieder, wie egal Geld sein kann. Es macht natürlich vieles leichter im Leben, weswegen ich mich damit auseinander setze. Aber je nach Stimmungslage zeige ich öfter eine „Geld ist mir eigentlich gerade ziemlich egal..“-Einstellung.

Zusammengefasst: Man sollte genug finanzielle Reserven haben, um sich bei wirklich wichtigen Themen keine Sorgen ums Geld machen zu müssen.

„Ein gesunder Mensch hat 1000 Wünsche, doch ein Kranker hat nur einen!“

Wie lautet euer Zwischenfazit für dieses Jahr?

34 Gedanken zu „Zwischenfazit: Mein Depot nach persönlicher Corona-Schockstarre

  1. Habe im Crash ordentlich nachgekauft. Teilweise Werte mit bis zu 14% Div. Rendite. und andere Qualitätsaktien. Aktuell kaufe ich nurnoch potentielle 10Bagger Aktien wie Zuora oder Fiverr.
    Bin gespannt auf die 2te jahreshälte

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    • Glückwunsch zu guten Investionen! Ich bin bei jungen Unternehmen vorsichtig. Man kann so schnell Insolvenz melden, sich aufkaufen lassen und direkt das nächste Unternehmen eröffnen.. oder bekommst schnell Konkurrenz und ist abgesagt. Aber jedes gute Unternehmen fängt so wohl mal an.

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  2. Ich kann deine „Geld ist mir manchmal sowas von egal“-Einstellung nachvollziehen! Früher war für mich jeder Euro wichtig, denn jeder Euro sollte hart für mich arbeiten. Irgendwann hat meine Freundin angemerkt: „Du lebst immer in der Zukunft, aber nicht im Hier und Jetzt“ und da ist mir aufgefallen wie Recht sie hatte!
    Man muss für die Zukunft vorsorgen, aber man sollte nicht vergessen, auch in der Gegenwart eine tolle Zeit zu haben…

    Herzlichen Glückwunsch zu den bestandenen Klausuren 😉

    Beste Grüße
    Nico

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    • Hi Nico,
      danke! 🙂
      Ich habe früher auch jeden Euro 2x rumgedreht.. So direkt bereuen tue ich das nicht, weil es ja trotzdem was gebracht hat. Aber mit dem Berufsjahren steigt auch das Gehalt und irgendwann kommt man trotz Lifestyle-Inflation auf gute Sparraten. 🙂

      Liebe Grüße
      Jenny

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  3. Danke für die offenen und ehrlichen Worte mit deinem Artikel.
    Ich persönlich bin grundsätzlich immer ein positiv denkender Mensch…wir haben die Zeit des Lockdown genutzt mal wieder unsere Gegend mit Wanderungen zu erkunden! Unser „Ländle“ ist doch einfach wieder schön mit den Weinbergen, Seen, Tälern und Schlössern….Ein Urlaub im Allgäu ist dann auch eine schöne Abwechslung zu Mallorca, Kreta oder Malta. Dazwischen ist das wichtigste Konitnuität und kein Zweifel an der eigenen Strategie. Ich verstehe allerdings auch, dass ein gutes Finanzpolster in der Hinterhand zusätzlich für Ruhe sorgt.

    Viel Erfolg weiterhin und beste Gesundheit wünsche ich 🙂

    Viele Grüße
    Chris

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    • Huhu Chris,
      super, dass ihr die Zeit so gut genutzt habt. Du hattest wahrscheinlich jobtechnisch trotz Corona genug zu tun?
      Ich hatte bei Homeoffice unterschätzt, wie schwierig ist, einen sauberen Cut zu machen. Man ist versucht, doch noch abends was fertig zu bekommen etc. Da ich ohnehin ein ziemlicher Stubenhocker bin, hatte ich durch Corona leider noch weniger Gründe mal das Haus zu verlassen..

      Liebe Grüße
      Jenny

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  4. Für mich hat sich nicht so viel geändert. Ich hatte kein Homeoffice, aber die Züge waren angenehm leer und durch die Homeoffice-Kollegen, die ja eher Kinderbetreuung gemacht hatten, blieb mehr Arbeit bei den Office-Kollegen hängen.

    Meine Vermögensaufteilung scheint genau richtig zu sein, denn ich konnte ziemlich ruhig schlafen. Zwei Werte mit denen ich schon etwas länger gehadert hatte, habe ich verkauft. Außerdem wurde ein Nachkauf eines ETFs entsprechend meiner vorher festgelegten Regeln durch den Crash ausgelöst. Ansonsten wurden die Sparpläne ganz normal ausgeführt.

    Moikka
    Pekka

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    • Hi Pekka,
      das klingt sehr entspannt! Bei uns haben sich durch HO die Arbeitszeiten sehr verschoben. Kamen öfters mal Emails um 22 Uhr von Kollegen. Was ich ganz cool fand, dass auch viele Papas mehr in die Kinderbetreuung einbezogen wurden und generell die Besprechungen nun lockerer ablaufen. „Ich muss früher gehen und auf meine Tochter aufpassen..“

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  5. Schöner und vor allem ehrlicher Artikel. Ich habe auch den Eindruck, je mehr man sich mit Geld beschäftigt, desto mehr lernt man den „Wert“ dessen einzuschätzen und das eben gewisse Dinge doch wichtiger sind.
    Für manche mag es das Größte sein, wenn Sie mal mit einer Aktie 100 % Gewinn machen und dann ihre 50 Euro realisieren. Aber allein an diesem Beispiel sieht man schon, wieviel solche „Errungenschaften“ wert sind.

    Viele Grüße
    Dennis

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    • Hi Dennis,
      mit größer werdendem Depot muss man sich an höhere Depotschwankungen gewöhnen. 10% Einbruch bei 10.000€ sind halt nicht so viel wie bei 1 Millionen im Konto. Für mich ist es deswegen ein Prozess, Opportunitätskosten zu akzeptieren. Ich ärgere mich ggf. über Verkäufe und Nicht-Käufe, aber da müssen wir alle durch. Wir sind alle nur wenige Klicks davon entfernt, die Mega-Super-Aktie zu kaufen. Aber Hauptsache, man kümmert sich überhaupt um seine Finanzen und vermeidet größere Fehler.

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  6. Toller Artikel & toller Blog. Ich hatte das Glück und habe am Tiefpunkt meinen ETF aufstocken können & LVMH gekauft. Aber das war reines Glück den Tiefpunkt zu erwischen :).

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  7. Ich hab normal wie jeden Monat gekauft und nur das Geld vom abgesagten Urlaub zusätzlich investiert. Die Schwankungen haben mich kaum interessiert, es war eher eine Gefühl der Neugier wohin die Reise geht.

    Und dann hab ich eine Gitarre und Verstärker gekauft und den Gaming PC eine neue Grafikkarte spendiert. Ich musste daran denken dass wenn ich morgen sterben müsste hätte ich am meisten bereut nicht mehr Musik gespielt zu haben.

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  8. Hallo Jenny,
    auch ich bin natürlich wie so fast jeder von der Entwicklung überrumpelt worden. An dem Wochenende, wo es mit dem Börsenabsturz losging, war ich noch auf Andechs. Corona war natürlich bereits akut, aber der Lockdown hat dann noch eine Woche gedauert. Ich weiß noch, dass ich mich gefragt habe, ob ich nicht verkaufen soll? Und habe mir dann gedacht: Wird schon alles nicht so schlimm. OK, Stand heute ist das so, aber zwischenzeitlich haben meine Buchwerte in atemberaubender Zeit abgenommen.

    Als es nach zwei Wochen immer noch abwärts ging, habe ich mir gedacht: „Was machst Du nun?“. Zum verkaufen ist es zu spät, andersherum fingen Aktien an wirklich preisgünstig zu werden. Und dann habe ich eingekauft. Stand heute war nicht alles glücklich. Die REITs sind nicht gut gelaufen und ich hatte noch Exxon und Kinder Morgan gekauft. Gleiches was nicht gut war ist Wells Fargo gewesen.

    Aber andersherum habe ich wirklich gute Preise für einige Positionen bekommen und habe auf Posten geschaut, die nicht so toll im Depot waren. Owens & Minor für etwas über 4$ und das war wirklich eine düstere Position vor Corona. Dann Amgen, 3M, Pfizer, VISA, Cisco (naja, nicht mehr ganz so gut, aber noch plus), Dow Chemical, Brinker, Eastman Chemical Prosuction, BASF und VW. Dazu habe ich auf Tim gehört und Fiverr gekauft. Obwohl es heute recht gemixt ist, ist unterm Strich einiges an Buchwerten dazu gekommen. Im Gegensatz zu dir habe ich aber auch im Mai und Juni alles normal laufen lassen, nur im Juli war ich recht inaktiv.

    Im Grunde ist die heutige Situation total irrational. Schaut man sich die Techwerte an, möchte man zu dem Schluss kommen dass es vor Corona keine gegeben hat. Alleine was Apple zur Zeit abzieht, oder Tesla, Amazon, Facebook, Netflix und Alphabet ist kaum nachzuvollziehen.Hat man von den Firmen Aktien, dann haben die in der Coronazeit das Depot massiv nach oben gehoben.

    Mir persönlich haben die Kapriolen mental nur recht kurz im März etwas zu schaffen gemacht, aber eigentlich war es dann nicht so wild. Wenn man mal die ganzen Gefühle außer acht lässt, ist klar dass Corona wie jede frühere Pandemie irgendwann vorbei geht und wenn man sich das Verhalten der Leute heute anschaut, geht das Leben immer weiter.

    Von daher sollte man, wenn man anfällig für Buchwertverluste ist, nicht in das Depot schauen. Die stärksten Gefühle sind Gier und Angst. Jeder der an der Börse ist, muss lernen mit beidem umzugehen. Das geht nur in der Praxis. Es war deine erste große Krise, Du hast dich besser kennen gelernt und bei der nächsten ernsten Krise wirst Du schon etwas abgeklärter sein. Wenn Du also ein größeres Tagesgeldkonto brauchst und es jetzt eingerichtet hast, ist das auch eine Weiterentwicklung. Zu entgangenen Buchgewinnen: Wenn ich alle entgangenen Buchwertgewinne heute hätte, wäre ich Multimillionär. Solchen Sachen sollte man nicht nachtrauern. Es gibt immer neue Chancen, die laufen einem nicht davon.

    Und das Gute: Wenn man dabeigeblieben ist, ist man in ein paar Jahren sehr viel stärker als heute. man muss nur immer regelmäßig investieren, egal was an der Börse passiert. Voraussehen kann man sowieso nicht sonderlich viel, aber man kann immer Chancen schaffen. Das heißt neue Positionen aufbauen oder vorhandene stärken. Damit macht man sehr selten etwas falsch.

    Grüße Oliver

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    • Huhu Oliver,
      ja, ich sehe es letztlich auch als wichtige Erfahrung im Schnelldurchlauf. Richtige Wirtschaftskrisen dauern länger und man hat noch mehr Zeit, nachzudenken. Corona hingegen ging so schnell, dass man nicht mal Zeit hatte, seine Strategien ausgiebig zu überdenken. (Vielleicht war auch gerade das gefährlich). Mit meinen Tech-Werten habe ich nun sehr Glück, aber traue dem Braten nun auch nicht unbedingt, dass die Kurse dauerhaft soweit oben bleiben. Irgendwie ist es verrückt, wie sich nun alles an der Börse auf wenige Branchen stürzt. Die nächste Krise kommt bestimmt. Ähnlich und doch anders.. und dann mal sehen, ob ich irgendwas aus Corona gelernt habe..

      Ich bin froh, dass meine Jobsituation gut ist. Hätte ich die Probezeit nicht bestanden, sähe mein Zwischenfazit auch noch mal anders aus.

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  9. Mein Zwischenfazit für dieses Jahr: In meinem realen Leben hat sich durch Corona kaum etwas geändert (außer, dass ich im Bus und in Geschäften Maske trage). Das letzte halbe Jahr kommt mir allerdings so vor, als hätte es gar nicht stattgefunden (also wäre das alles nur ein komischer Traum); gefühlsmäßig haben wir erst März / kann nciht sein, dass das Jahr schon acht Monate alt ist.
    Mein Depot stand auch irgendwann mal mit 12.000 Euro im Minus. Ich habe da gar nichts gemacht, und irgendwann hat es sich wieder ausgeglichen. Aber mein reales Leben wäre auch kein bisschen anders gewesen, wenn mein Depot mit derselben Summe im Plus gewesen wäre.

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    • Ja, das Jahr ging nun sehr schnell rum. Ich arbeite nun seit 5 Monaten im Homeoffice, was ich mir vorher nicht hätte vorstellen können. Es ist nach wie vor alles ein wenig komisch, aber wir treffen uns nun wieder viel mit Familie & Freunden. Corona und damit verbundene Maßnahmen werden uns wohl noch eine Weile begleiten.

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  10. Hallo,
    schöner Artikel, ehrlich und gut. Das mit den Tipps kann ich nachvollziehen. Am Ende ist der Rat eines anderen selten auf einen selbst anwendbar, bzw. muss der andere ja für seinen Rat selten die Verantwortung übernehmen. Von daher ignoriere ich „an einer Stelle würde ich“ Kommentare auch so gut es geht.
    Ich habe in der Krise nachgekauft, fühlte mich dabei aber nicht gut. Jetzt sind die Kurse gestiegen, aber irgendwie warte ich noch auf einen größeren Knall. Ich stocke daher meine Tagesgeldreserve auch wieder auf.

    Gruß
    Fuseboroto

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    • Hi Fuseboroto,
      man weiß nie vorher, ob man richtig handelt, sondern immer erst im Nachhinein. Hätte Trump zB Xiaomi in den USA verboten und wäre der Kurs abgestützt, würde ich mich über meinen Verkauf nun freuen. Man kann noch so gute Strategien haben, ein bisschen Glück / Pech spielt trotzdem mit rein. Ich schließe den großen Knall irgendwie auch nicht aus.. aber immerhin werde ich in der nächsten Krise entspannter sein, weil nun mein Tagesgeldpuffer wesentlich höher ist.

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  11. Hi,
    schöner Artikel. Mich hatte dein Handeln etwas überrascht. Nicht das Verkaufe als solches. Sondern weil es auf mich wie eine Aktion wirkte, die du aus der Krise heraus getätigt hast. Du aber vor der Krise so nicht hättest tätigen wollen, glaube ich. Manchmal lernt man sich eben neu kennen.
    Zwischenfazit bei mir? Finanziell war etwa wie vor de rKrise geplant. Im Persönlichen. Ich habe etwas den Drang zur Trägheit. Das hat mit HomeOffice und den Beschränkungen im öffentliche Leben reingehauen. Ich arbeite jetzt daran, wie ich aus dem ‚Loch‘ wieder rauskomme.

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    • Hey,

      ich drücke die Daumen, dass du dich wieder aufraffen kannst. Bist du derzeit auch dauerhaft im HO?

      Da ich direkt am Anfang von Corona so viele Negativ-Fälle mitbekommen habe, habe ich sehr harte Einflüsse auf den Alltag befürchtet. Inklusive weiterer Kurseinbrüche & hoher Arbeitslosigkeit. Mich freut es, dass der Worst Case (erst mal) nicht eingetroffen ist. Bei sowas bin ich wohl nicht so cool wie andere, aber ich werte meine Filterblase höher als die Filterblasen anderer. In Stuttgart hörte man zB überall Einstellungsstopp und Kurzarbeit. Es werden langfristig Stellen abgebaut. Ich frage mich, wie man die Krisenstimmung in anderen Regionen wahrnimmt.

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      • Hallo Ex-Studentin,

        Du hast es wirklich auf den Punkt gebraucht, ist doch ein Unterschied, ob es eine Finanzkrise oder Globale Pandemie mit unzähligen Toten herrscht, jeder normale Crash hätte mich vermutlich kalt gelassen, aber wenn so viel Menschenleben und drohende Massenarbeitslosigkeit auf dem Spiel stehen, ist es doch was anderes, ich werde ebenfalls einen höheren TG Anteil anpeilen um besser schlafen zu können:)
        P2P Anteil reduzieren und somit auch was gelernt

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      • Hi Dimi,
        mehr TG klingt vernünftig.
        Am Anfang waren die Auswirkungen von Corona kaum absehbar, weswegen ich vorsichtiger war. Ich finde es verrückt, wie aggressiv der Virus sich verbreitet. Bei der Firma von meinem Freund hatte der 1 Kollege nahezu alle in 2-3 Tagen angesteckt, mit denen er viel Kontakt hatte. Auch bei diversen Feiern in geschlossenen Räumen liest man in den Medien, wie hoch die Ansteckungsgefahr ist. Selbst, wenn man nicht persönlich betroffen ist: Jeder hat Bekannte innerhalb der Risiko-Gruppen. Ich war vor allem wegen meiner Eltern vorsichtig. Natürlich sollte man selbst gesund leben, sein Immunsystem stärken etc. Aber wer halt Herzprobleme hat, Krebs oder eine Lungenkrankheit kann sich noch so gesund ernähren und muss Corona trotzdem fürchten.

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      • Es kommt wohl weniger auf die Region an als auf die Branche, in der man tätig ist. Wobei anderseits die Kunden der „downgelockten“ Firmen auch viel Geld gespart haben müssen. Ich bin z.B. jeden Tag ins Restaurant essen gegangen. Als das im April nicht mehr möglich war, sind meine Ausgaben beim Posten „Essen und Trinken“ drastisch gesunken. Und verhungert bin ich trotzdem nicht.

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      • Ich müsste mal nachschauen, wie sich meine Ausgaben verändert haben. Prinzipiell eher höher geworden. Wir haben zB bei unserem Lieblings-Burgerladen öfters bestellt. Und wir haben uns einige Möbel gekauft. Das hatten wir schon lange vor, aber durch Corona waren wir endlich mal für jegliche Liefertermine zuhause.

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  12. Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 34/2020 › Fuseboroto.info

  13. Kenne die Situation nicht, aber im Abwärtstrend hättest Du eigentlich nicht den Risikolostopf erhöhen sollen, sondern den Aktientopf. Als ich Student und junger Ex war hab ich auch noch einzelne Werte gekauft….. hat in Summe nicht funktioniert – also echtes Minus. Buy and Hold und breit gestreut, je eher man damit anfängt umso besser (Zinseszins und so).
    Mit etwas Spielgeld habe ich übrigens Wirecard gekauft. Zum Glück habe ich im Urlaub im richtigen Moment auf das Handy geschaut (1 Std früher wäre noch mal 100% richtiger gewesen) und so meine für 2,80 gekauften Aktien für 6,20 verkauft. Reines Glück. Ich dachte schon mein Spielgeld ist weg.
    Ich kann nur dazu raten auf breite ETF umzusteigen. Es reicht einer, max drei. Aber was soll der Alte hier rumsabbeln, wird eh nicht gehört.

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    • Hi Kurt, ich hatte kurz vor Corona höhere Summen investiert, weil ich dachte: „Ich brauche nicht mehr so hohe TG-Reserven“. Dann kam Corona und ich habe doch wieder 12.000€ rausgezogen. Primär Xiaomi, die trotz Corona kaum Einbrüche hatten. Dass diese nun durch Corona 100% Wertzuwachs haben würden.. Tja, wer hätte das gedacht. Ich habe trotzdem auch ETFs. Von Wirecard habe ich bewusst die Finger gelassen. Ich zocke nicht gerne, sondern kaufe lieber Aktien von Unternehmen, die ich selbst nutze und möglichst skandalfrei sind.

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  14. Hallo Jenny,
    zunächst einmal Dank und Respekt dafür, dass Du uns einen „ungeschönten“ Einblick in Dein von Corona geprägtes Privatleben gibst.
    Damit hebst Du Dich wohltuend von vielen „heroischen“ Wasserstandsmeldungen (Sparquote über 50%, finanziell frei mit 35, Nachkauf genau am Tiefpunkt, …) der Finanzblogger-Szene ab und beschreibst die menschliche Sicht auf die Dinge.
    Und die ist geprägt von vielen Ängsten und privaten Sorgen.

    Richtig erkennst Du, dass es bei der Pandemie anders ist als bei einer „normalen“ Finanzkrise, denn es geht um das Leben und die Gesundheit von Dir und denen, die Dir wichtig sind.

    Natürlich war es objektiv betrachte ein Fehler die Aktien aus Deinem Depot zu diesem Zeitpunkt zu verkaufen, um das Tagesgeld zu erhöhen.
    Menschlich kann ich diese Reaktion bei einem so jungen Menschen aber nachvollziehen. Sie ist nicht wirklich tragisch und ich würde das unter „Lehrgeld“ buchen und mich ansonsten nicht weiter darum grämen.

    Eine Anregung zum Schluss: wie hättest Du Dich verhalten, wenn es sich nicht um Einzelaktien, sondern um einen breit gestreuten, weltweit anlegenden ETF gehandelt hätte?

    Ganz liebe Grüße und weiterhin alles Gute

    Gerhard

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    • Hi Gerhard,
      danke schön! Ich habe an sich auch ETFs. Ich hatte durchaus auch überlegt, einen Teil dieser zu verkaufen. Ich hatte mich allerdings für Aktien mit geringen Kurseinbrüchen und „zuletzt gekauft“ entschieden. Das war dann primär Xiaomi. Als asiatische Firma bestand wie bei Huawei die Gefahr von Umsatzeinbrüchen / Problemen mit den USA. Ich hatte nach dem Verkauf auch noch überlegt, einen Teil der ETFs zu verkaufen, primär MSCI EM. Ich habe in der Krise also generell mehr meine Werte hinterfragt und nicht „nur“ Panik geschoben. Als Konsequenz bespare ich den EM auch nicht mehr. Bei einem reinen ETFs hätte ich vermutlich auch einen Teil verkauft. Ich hatte sogar ganz gut den Gedanken, kurz vor Corona alles zu verkaufen. (Darf man sowas laut sagen?) Da haben mir aber meine Einzelaktien geholfen. Ich habe amazon, Google und Co. im Depot. Die überleben noch ein paar Krisen.

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  15. Hey Jenny, wenn ich schon „Ebenso werde ich mich weniger von „Du musst dich so und so verhalten“-Kommentaren beeinflussen lassen.“ lese, kräuseln sich bei mir die Haare. Mach dein Ding und du wirst es packen. „Experten“ hin oder her, alles nur Menschen.

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    • Jap, so sehe ich es auch. Es gibt sicherlich Menschen, die im Schnitt bessere Erfahrungen treffen als andere. Aber das heißt deswegen nicht, dass man allen blind folgen sollte.

      Da gibt es einen tollen Witz.
      Elisa will ihr Wohnzimmer streichen und fragt ihren Nachbarn mit gleichem Wohnungsschnitt: „Wie viel Eimer Farbe hast du letztens für dein Wohnzimmer gekauft?“ – „5 Stück!“ Also kauft Elisa auch 5 Eimer. Nach dem Streichen hat sie allerdings 3 Eimer übrig. „Meintest du nicht, du hast 5 Eimer gekauft? Ich habe nun 3 übrig.“ -„Jo, ich hatte auch 3 übrig…“

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